Unter Laser-Fernerkundung können sich im ersten Moment wahrscheinlich nur die wenigstens etwas vorstellen. Nun gut: Wir hatten ja bereits angekündigt, dass wir mit einigen Speakern des Developer Camps über ihren Background und ihre Intentionen, ein Barcamp zu besuchen, gesprochen haben. Hier wollen wir euch nun den ersten davon vorstellen.

Es handelt sich dabei um Steven Hill, der am Institut der Fernerkundung der Universität Würzburg promoviert. Auf dem Developer Camp 2017 war er mit diesem etwas ungewöhnlicheren Thema im Timetable vertreten. Im folgenden Interview erklärt er uns, wie er aus einem Flugzeug heraus die spannendsten Daten errechnet – lediglich mit einem Laser bewaffnet! Aber genug der Einführung; lassen wir ihn zu Wort kommen.

Laser-Fernerkundung auf dem Developer Camp 2017

Du hast ein ziemlich abgefahrenes Thema: Laser-Fernerkundung. Worum geht es da genau?

Steven HillSteven Hill

Mein Spezialgebiet ist das Deeper Remote Sensing. Wir nutzen die Laser-Fernerkundung, um die Parameter der Oberfläche zu messen. Ich untersuche das Waldwachstum; es gibt dafür verschiedene Möglichkeiten: mit Luftbildern, Satellitenbildern oder Drohnen.

Ich nutze die Laserdaten – ein Lasersensor schießt aus einem Flugzeug die Pulse nach unten und misst die Distanz. Dadurch erhalte ich ein 3-D-Modell der Oberfläche, aber da der Puls auch durch die Vegetation der mittleren Schichten gehen kann, auch Informationen aus diesem Bereich. Dadurch erhalte ich exakte Höhenmessungen, um zum Beispiel die Höhe von Bäumen – die Waldoberfläche in meinem Fall – oder einfach das Bodenmodell herauszurechnen. Wir nutzen das als Input-Parameter für Modelle.

Die Geologen zum Beispiel wissen, wenn die Bäume eine bestimmte Höhe und die Krone eine gewisse Breite haben, dann muss die Biomasse in diesem Baum ungefähr so groß sein. Unser Vorteil ist dann, dass wir nicht ins Feld müssen, um mühevoll jeden Baum zu messen. Wir fliegen einfach über den Bayerischen Nationalpark und können dann relativ gut die Biomasse oder den Holzvorrat für den kompletten Nationalpark ausmessen. Im Bayerischen Wald ist es beispielsweise so, dass es Borkenkäferbefall gibt; man könnte damit dann die Befallsfläche herausrechnen oder mit temporalen Daten das Waldwachstum abbilden.

Von welchen Datenmengen reden wir da?

In meinem Fall sind es für ein Jahr sind es um die 800 GB an Laserdaten. Die Bilddaten für ein Jahr machen ungefähr 600 GB aus. Wenn man das dann über zehn Jahre machen möchte, kommt ganz schön was an Daten zusammen.

Wie verarbeitest du die gesammelten Daten weiter?

Ich habe noch viele Ideen für neue Auswertungen.

Das größte Problem im Institut war, dass noch keiner so richtig mit den Daten gearbeitet hat. Wir mussten sie erstmal in irgendein Programm pressen, die Analysen machen. Aktuell stehe ich vor der Aufgabe, dass ich die Daten gerne zeitlich aufbereiten würde. Dass man also zum Beispiel die Veränderung der Kronenüberdeckung in den letzten zehn Jahren darstellen kann.

Ich weiß noch nicht so genau, wie, das muss ich erst noch herausfinden. Aber dafür gibt es ja verschiedene Ansätze, wie man so raumzeitliche Analysen machen kann … ich finde schon eine Lösung.

Wie bist du nun darauf gekommen, dieses Thema auf einem Barcamp vorzustellen?

Ich wurde dazu genötigt 😉

Björn und Philipp, Kommilitonen von mir, waren schon öfter auf einem Barcamp. Die beiden kennen Ute, die Organisatorin des Developer Camp, die dann meinte: Komm einfach mal vorbei und schau es dir an. Dann habe ich bei einem Meetup das Ticket gewonnen … also dachte ich mir: Okay, dann gehst du eben einmal hin. Bei dem Open Space hat Ute dann gesagt, ich solle es einfach mal vorstellen … dann habe ich es eben vorgestellt.

Wie viele Leute waren bei dir?

Ca. neun bis zehn Besucher …

… also neun bis zehn Leute, die keine Ahnung vom Thema Laser-Fernerkundung hatten?

Na ja, zwei meiner Kommilitonen; die wussten schon ungefähr, was ich mache. Außerdem war glaube ich ein Physiker dabei, mit dem ich mich anschließend unterhalten habe – der kannte das bereits.

Am Anfang wollte ich wissen, wer weiß, worüber ich spreche, da hat sich einer gemeldet. Man kennt die Technik natürlich schon irgendwoher, aber dass man sie für diese Anwendungsfälle verwenden kann, ist dann eher unbekannt. Aus Satellitenbildern Google Maps zu machen ist da schon geläufiger.

Hast du dir andere Sessions angeschaut?

Ja, ich war bei der Stress-Session dabei. Außerdem habe ich mir die Big-Data-Session angesehen und eine, bei der Docker auf dem Mac vorgestellt wurde. Kurz war ich auch noch in der Raspberry-Pi-Session.

Was nimmst du für dich aus diesem Barcamp mit?

Mein erster Eindruck ist überwältigend, ich fand es echt gut. Die Stimmung ist locker, die Location ist ganz cool. Man muss sich um wenig kümmern – man kommt hier an und hat eigentlich alles.

Ein Barcamp ist eine gute Gelegenheit zu üben – außerdem bekommt man jede Menge Anregungen.

Die Vorträge decken natürlich nicht gerade mein Gebiet ab, da kann ich oft nicht so viel mitnehmen, aber es ist nett, sich das mal anzuhören … auch wenn ich oft nur die Hälfte von dem verstehe, was die Leute so erzählen. Aber man kommt mit den Leuten ins Gespräch, und das ist sehr spannend, weil man viele Anregungen bekommt. „Hast du das schon mal ausprobiert?“ oder „Willst du mal jenes versuchen?“. Außerdem kann man sich austauschen, wenn man Probleme hat, etwa was die Performance angeht. Meine Berechnungen nehmen unglaublich viel Zeit in Anspruch, und dann sieht sich jemand den Code an und gibt wertvolle Tipps. Man kann also wirklich viel mitnehmen.

Es ist auch eine coole Gelegenheit zum Üben. Egal wo, du musst deine Sachen immer präsentieren. Ich kenne das zwar von Konferenzen, aber es ist auch einmal spannend, Leuten, die nicht im Thema sind, zu erklären, was man eigentlich macht. Das kennt man ja oft, dass einen Leute fragen: „Was machst du eigentlich?“, und dann fängst du erst einmal an, nachzudenken … wie erkläre ich am besten was Laser-Fernerkundung ist?

Wohin führt dich dein Weg, wenn du promoviert hast?

Ich will an der Universität bleiben, wenn es geht.

Lehren?

Ja auch. Ich mag diesen Kitzel, immer irgendetwas Neues zu machen. Es kann natürlich sein, dass ich dann hart enttäuscht bin, dass ich nur die Bürokratie machen muss, aber bis jetzt finde ich es noch ganz spannend.

Aufmacher: Milada Viderova