100 Veranstaltungen an 8 Tagen in 6 Städten. Das ist mal eine Hausnummer. Zahlen, die mich ein bisschen an Berlin erinnern: Man weiß nicht mehr, wo man hingehen soll bei der ganzen Vielfalt und der großen Auswahl. Die Nürnberg Web Week ist inzwischen ein echtes “Festival der digitalen Gesellschaft” – bunt, abwechslungsreich, für jeden etwas dabei.

Allein am 17./18. Mai, an den Tagen, an denen das Developer Camp stattfand, standen 45 Veranstaltungen auf dem Programm! Insgesamt gab es zu jedem Thema eine Veranstaltung.

Oder hat Ingo Di Bella, Organisator der Web Week, etwas vermisst? Die Antwort gibt’s im Interview. Mich hat auch interessiert, ob man bei der Größenordnung schon davon sprechen kann, dass die Web Week in der sogenannten Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Wir haben dieses Jahr noch eins draufgesetzt, inhaltlich, qualitativ, von der Organisation, vom ganzen Drumherum.

Du warst bei zahlreichen Veranstaltungen selbst vor Ort. Was war Dein genereller Eindruck? Was hat Dir gefallen?

Ingo Di Bella Organisator der Nürnberg Web WeekIngo Di Bella

Ingo: Mich hat beeindruckt, dass das Niveau der Veranstaltungen gegenüber dem Vorjahr noch mal gestiegen ist. Wir waren schon auf einem sehr guten Level, auf das dieses Jahr noch eins draufgesetzt wurde, inhaltlich, qualitativ, von der Organisation, vom ganzen Drumherum.

Es war schön zu sehen, wie viel Herzblut überall reingeflossen ist und welche Stimmung geherrscht hat, sowohl bei Teilnehmern als auch bei den Teams, die das organisiert hatten.

Super war, dass wir dieses Jahr ein größeres Angebot für Developer hatten, die waren extrem gut versorgt. Es gab Euer Developer Camp, das DevOps Camp, der Hackathon im Zollhof sowie zahlreiche User Groups/Meetups. In den letzten Jahren wurde ja von einigen kritisiert, dass die Web Week zunehmend in Richtung Marketingveranstaltung gehen würde.

Neu war auch das große Angebot für Kinder bzw. das Nicht-Fachpublikum. Wir hatten insgesamt 200 Kinder und Jugendliche auf den unterschiedlichen Veranstaltungen, etwa die Eltern-Blogger-Konferenz, die Fake-News-Night, der Coder Dojo oder das YouTube-Barcamp.

Insgesamt haben wir für alle unsere Zielgruppen tolle neue Angebote geschaffen. Wobei, natürlich nicht wir, sondern die Community, das ist mir wichtig zu betonen, denn letztlich können wir das Programm gar nicht richtig beeinflussen. Es hängt ja immer davon ab, welche Veranstaltungen angeboten werden.

Also kann man durchaus sagen, dass es die Web Week geschafft hat, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, oder?

Ingo: Ich weiß nicht, ob man ankommen sagen kann, eher auf dem Weg dahin.

Wir würden gerne dort ankommen, denn es ist ein Thema, dass die Gesellschaft in der Gänze interessieren sollte. Es sollte jeden bewegen, ob es die Eltern sind, die das Gefühl haben, von ihren Kids digital abgehängt zu werden, aber auch das Bildungssegment, die Kultur, Behörden, Politik. Es gibt keinen Bereich mehr, der sagen kann: „Interessiert uns nicht“. Selbst Bibliotheken müssen sich heute mit der Frage auseinandersetzen: „Wie geht es weiter mit der Digitalisierung?“

Was bedeutet eigentlich diese digitale Welt für jeden einzelnen – in fünf Jahren, in zehn Jahren oder heute schon.

Unsere Erwartungshaltung ist, dass sich ein möglichst großes Publikum mit der Frage auseinandersetzt: Was bedeutet eigentlich diese digitale Welt für jeden einzelnen – in fünf Jahren, in zehn Jahren oder heute schon. Das Thema ist heute ja für viele schon gar nicht mehr greifbar.

Was würdest Du Dir für 2018 noch wünschen? Gibt es Themen, bei denen Du sagt, es wäre schön, wenn wir dazu noch eine Veranstaltung dazu hätten?

Ingo: Die ganzen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche waren rappelvoll, da würde ich jetzt mal vermuten, dass das vorhandene Angebot noch nicht groß genug war und wir da noch viel dankbares Publikum für weitere Sachen hätten.

Ich würde mich darüber freuen, wenn die bestehenden Formate bleiben, die großen mit ihren hochkarätigen Speakern und Ausstellern, die die Region bereichern. Das gilt auch für die kleinen User-Groups, ohne die die gesamte Web Week existieren würde.

Da lass ich mich jedoch überraschen. Ich hatte letztes Jahr gesagt, dass wir eine Größenordnung erreicht hätten, die kaum zu toppen ist, da ich davon ausgehe, dass immer ein paar Veranstaltungen sagen: Jetzt nicht mehr, dafür kommen ein paar neue dazu. Und dann sind wir mit 100 Events förmlich überrannt worden.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr jetzt?

Ingo: Die größte Herausforderung ist tatsächlich, daraus etwas Nachhaltiges zu machen. Dazu zählt auch die Professionalisierung, die bei dieser Größenordnung notwendig ist. Das passiert alles auf einem Level, das nicht mehr mit einem ausschließlich ehrenamtlichen Engagement abzubilden ist.

Um den Aufwand einmal zu verdeutlichen, den wir betreiben müssen: Bevor die Web Week 2017 losging, haben bereits die Vorbereitungen für die Web Week 2018 begonnen, sei es Location Scouting, Terminabstimmungen, erste Gespräche mit Sponsoren. Das ist inzwischen durchgängig ein Fulltime-Job.

Wie viele Leute seid ihr?

Ingo: Aktuell zwei Leute Vollzeit, Nadine und ich, davon abgesehen, dass ich noch Geschäftsführer einer Agentur bin. Wir brauchen noch jemanden, der uns unterstützt, ganzjährig.

Danke Dir für das Interview!

An der Stelle gerne noch einmal der Hinweis: Meldet euch, wenn ihr eine Veranstaltung während der Web Week machen wollt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es lohnt sich.

Termin ist Mitte April 2018. Und natürlich freut sich Ingo auch über weitere Sponsoren.


In weiteren Interviews, die wir im Rahmen des Developer Camps 2017 geführt haben, geht es unter anderem darum, was langjährige Entwickler von Barcamps mitnehmen können oder warum solche Events glaubhafter sind als klassische Konferenzen.


Foto: © Nürnberg Web Week / Christian Lindner