Das Developer Camp ist nicht nur für Entwickler mit mehrjähriger Berufserfahrung interessant. Nein, auch als Student, der erst seit kurzem mit dem Thema zu tun hat, kannst Du enorm profitieren.

„Es ist eine einmalige Gelegenheit“, findet Evelin, die im sechsten Semester Digital Humanities an der Uni Würzburg studiert. Beim „Developer Camp kommen so viele Leute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, in die man sonst als Student keinen Einblick hätte.“

Als Student beim Developer Camp

Evelin war jetzt bereits zum zweiten Mal beim Developer Camp dabei. Das gleiche gilt für Philip, ebenfalls Student. Im Interview erzählen sie, was sie am Developer Camp schätzen, was sie mitgenommen haben und warum man sich als Student nicht die Gelegenheit entgehen lassen sollte, ebenfalls dabei zu sein, selbst wenn man noch nicht tief im Thema “Softwareentwicklung” drin steckt. “Hier setzen sich Leute mit dir hin, erklären es dir, bringen es dir Sachen bei und tauschen sich mit dir über ein Thema aus.”

Stellt euch doch kurz vor: Wer seid ihr, was studiert ihr?

Evelin: Ich studiere Digital Humanities sowie Political and Social Studies im 6. Semester. Das sind zwei unvereinbare Studiengänge, aus denen man aber was Schönes kreieren kann – und zwar auf einer digitalen Ebene.

Philip: Ich mache gerade meinen Master, ebenfalls in Digital Humanities, und arbeite nebenbei als Werkstudent.

Was muss ich mir unter Digital Humanities vorstellen?

Evelin: An sich ist das ein recht neuer Studiengang, der einen „zwingt“, zusätzlich ein geisteswissenschaftliches Fach zu wählen, wie in meinem Fall Political Social Studies. Bei Digital Humanities lernt man dann, auf digitaler Ebene mit dem dort erworbenen Wissen umzugehen.

Wie hoch ist der Informatik-Anteil bei Digital Humanities?

Evelin: Der Bachelorstudiengang hat sich seit 2012 sehr gewandelt und der Informatik-Anteil überwiegt inzwischen. In den ersten drei Semester behandelt man im Bereich Informatik wirklich die Basics. Danach zieht das Niveau an, sodass man auf Arbeitsebene auch etwas damit anfangen kann.

Philip Dürholt Student beim Developer CampPhilip Dürholt

Philip: Damals im Bachelorstudiengang hatten wir mit Text-/Markup-Sachen mit HTML ein bisschen mit Web Development angefangen, dann kam der Wandel mit Python in Richtung Data Science. Da geht es viel um die Behandlung von Textdaten, auch von großen Textdaten sowie die Modellierung dieser Daten. Mithilfe von verschiedenen Methoden – inklusive Machine Learning – kann man dann unterschiedliche Sachen mit diesen Daten machen, etwa das Extrahieren von Informationen oder anderen Einsichten aus den Texten, ohne diese gelesen zu haben. Stichpunkte sind da Text-Klassifizierung, Clustering, Sentiment Analysis und Topic Modeling.

Was gefällt euch am Developer Camp, ihr beide wart ja schon zum zweiten Mal dabei?

Philip: Während eines Auslandsaufenthaltes in London hatte ich schon bei Hackathons mitgemacht. Das hat mich total geflashed: die Offenheit, Leute setzen sich zusammen und coden etwas. Das ist zwei Tage so eine Art „Festival für Nerds“.

Als ich vom Developer Camp gehört hatte, klang das ein bisschen wie das, was ich hier vermisst habe. Dieses offene, man geht rein, Leute können was, wollen was machen, aber man hat freie Hand, und alles kann sich kreativ entwickeln. Das hat mich gereizt, und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil, ich war sehr begeistert.

Evelin: Dem kann ich mich nur anschließen. Dieses Format war mir völlig neu. Ich war damals Student im fünften Semester und wusste überhaupt nicht, wohin mit mir, weil man auch noch keinen Einblick in den Arbeitsmarkt hatte, wie es da überhaupt aussieht.

Philip: Wenn man an der Uni ist und sich umschaut, was es so für Veranstaltungen gibt, sind das oft Konferenzen, die leider wenig Zeit und Raum bieten, in ein bestimmtes Thema in die Tiefe zu gehen. Es geht mehr darum zu zeigen, was man jeweils am Lehrstuhl so macht.

Das ist beim DevCamp anders. Nicht nur, dass man da mehr in die Tiefe gehen oder spontan am nächsten Tag eine weitere Session machen kann. Hier hast du auch eine unterstützende Umgebung. Das heißt, dass die Leute sich gegenseitig etwas zeigen möchten, aber gleichzeitig an dem interessiert sind, was die anderen zu bieten haben. Vielleicht sogar mehr daran interessiert, was die anderen machen. Das macht am meisten Spaß: Wenn man eine Session hält und eigentlich mehr vom Publikum hat, als was man selbst vorträgt. Das macht es irgendwie besonders.

Du hast also das Gefühl, du bekommst immer mehr, wenn du eine Session hältst, als was du gibst?

Philip: Definitiv. Meistens habe ich bei einer Session wahrscheinlich mehr gelernt, als ich den Leuten gezeigt habe.

Beim DevCamp bestimmt die Gruppe das Niveau. Wenn beispielsweise Leute drinsitzen, die sich total für das Thema interessieren, aber wenig darüber wissen, kümmert sich die Gruppe darum, alle auf ein Level zu kriegen. Witzigerweise ist das auch so, wenn alle auf einem sehr hohen Niveau sind. Dann „eskaliert“ das völlig; da gibt es richtig Hardcore Informationen, die man sonst nicht einfach mal so nachlesen kann.

Evelin Geier Studentin beim Developer CampEvelin Geier

Evelin: Super sind auch die Ask-Sessions. Man muss nicht immer was Bestimmtes können und Wissen vermitteln – was gerade auch als Student wichtig ist – sondern sagt: „Ich möchte gerne darüber etwas lernen, wer weiß dazu etwas?“ Da schaut dich niemand schief an und denkt sich: „Wenn du nichts zu sagen hast, dann lass es!“ Hier setzen sich Leute mit dir hin, erklären es dir, bringen es dir bei und tauschen sich gemeinsam über ein Thema aus. Zum Beispiel die UX-Session beim ersten Developer Camp, die werde ich nie vergessen. Da gab es nicht DEN einen Experten, sondern es wurde gemeinsam darüber diskutiert. Ich habe an diesem Tag zum ersten Mal davon gehört und seitdem brenne ich für dieses Thema.

Warum sollten andere Studenten am Developer Camp teilnehmen? Was meint ihr?

Evelin: Developer Camp kommen so viele Leute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, in die man sonst als Student keinen Einblick hätte. Das ist eine einmalige Gelegenheit.

Philip: Ich möchte noch ergänzen, dass es ja immer gut ist, deine eigene Bubble zu verlassen. Als Student hat man ja sein Studium, vielleicht einen Nebenjob, meist ist was in der Gastronomie und man kennt seinen Bereich recht schnell ganz gut. Mit der Industrie oder der Wirtschaft setzt man sich recht wenig auseinander, zumindest so mein Eindruck.

Beim Developer Camp kann man nichts falsch machen, man kann nur gewinnen.

Hier hast du die Möglichkeit rauszugehen und dich in einem völlig unterstützenden Metier wiederzufinden, in dem sich alle Leute auf einer Augenhöhe begegnen, sich interessieren. Da sitzt du dann als Student in einer Session, bei der jemand im Marketing arbeitet, einer ist Prof an einer Uni ist, dazu noch Developer oder jemand, der im Vorstand sitzt. Eine völlig durchgemischte Gruppe, keiner verurteilt den anderen, keiner schätzt den anderen gering ein, weil sie das Beste aus der Gruppe machen. Das fühlt sich toll an und man lernt dabei unheimlich viel.

Man kann dort nichts falsch machen, man kann nur gewinnen.

Welche Sessions habt ihr besucht, damit andere Studenten mal einen Einblick gewinnen?

Philip: Beim ersten Developer Camp hat jemand erzählt, wie er mit Raspberry Pis sein Haus vernetzt hat. So etwas hört man sonst nicht so. Oder eine Session über Swift, also Entwicklung für iOS. Es war interessant, wie das aussieht. Dieses Jahr war ein Thema „Wie geht man mit Stress um?“ Da haben alle sehr locker miteinander geredet und Erfahrungen ausgetauscht.

Philip, du hast letztes Jahr beim Developer Camp auch eine Session gehalten und darüber deinen jetzigen Nebenjob bekommen, oder?

Philip: Sebastian, mein jetziger Chef, hatte eine Session gehalten, in der es um Textdaten gehen sollte, mehr wusste ich nicht. Am nächsten Tag hielt ich meine Session über Textclustering mit Machine Learning, da saß er dann drin. Als die Session dann vorbei war, kam er und meinte: „Wir machen das, was du da kannst und brauchen noch Unterstützung. Hättest du Lust, bei uns zu arbeiten?“ Wir sind dann in Kontakt geblieben und ein paar Monate später habe ich dort als Werkstudent angefangen.

Eve, hast du auch schon eine Session gehalten?

Evelin: Leider noch nicht. Beim ersten DevCamp wusste ich noch nicht, was ich nicht weiß. Development ist so ein riesiges Gebiet, ich musste erst mal Informationen aufsaugen. Beim zweiten DevCamp war ich leider nur einen Tag, da wollte ich lieber in Sessions gehen. Nächstes Mal könnte ich mir aber vorstellen, ein paar vorzuschlagen.

Das heißt, du/ihr seid auf alle Fälle wieder dabei, wenn es zeitlich hinhaut, oder?

Evelin: Ja, wann ist das nächste?

Philip: Unbedingt.

Mit Steven Hill war 2017 auch ein Doktorand vor Ort, der in einer Session sein Promotionsthema vorgestellt hat: Laserfernerkundung. Was es damit auf sich hat und was er vom Barcamp mitgenommen hat, liest Du im Interview.