“You just became a Team Lead. What now?” Ja, was dann? Antworten darauf liefert Volker Dusch, seit knapp sechs Jahren Team Lead und derzeit Product Lead bei ResearchGate, einem sozialen Netzwerk für Wissenschaftler. Er hatte auf der FrOSCon 2017 einen Vortrag dazu gehalten.

Neu als Team Lead – worauf sollte man achten?

Ihn haben wir gefragt: Was zeichnet eigentlich einen guten Team Lead aus? Worauf sollte man achten, gerade auch wenn man neu in der Rolle ist?

Was gefällt dir an der Team-Lead-Rolle?

Ich sage gerne im Spaß, das ist der Einäugige unter den Blinden, was Kommunikation angeht. Entwickler haben nicht den Ruf, die besten sozialen Skills zu haben, obwohl so viel von unserem Job aus Interaktion mit anderen besteht. Ich habe in vielen Teams gemerkt, dass ich mehr zum Erfolg beitragen kann, wenn ich mehr von den Kommunikationsaufgaben übernehme und andere sich dadurch besser und mehr auf das Programmieren konzentrieren können. Irgendwann fand ich es dann cooler, als Team Lead anderen zu helfen, produktiv zu sein.

Ein guter Team Lead ist in der Lage, nach außen zu kommunizieren, was das Team erreicht hat und wie das der Organisation hilft, ihre Ziele zu erreichen.

Was macht für dich einen guten Team Lead aus?

Das Wichtigste ist, dass man nicht alle gleich behandelt, sondern jede Person nach ihren Bedürfnissen. Das heißt, dass man jedes Teammitglied als Individuum betrachtet und auf jede Persönlichkeit individuell eingeht.

Ein guter Team Lead ist in der Lage, nach außen zu kommunizieren, was das Team erreicht hat und wie das der Organisation hilft, ihre Ziele zu erreichen. Er/Sie sollte auch die Leute fordern, ihnen helfen, sich weiterzuentwickeln, ihnen zeigen, wo es hingehen kann, wie man sich im Unternehmen weiterentwickeln kann.

Das sind, neben den organisatorischen, die wichtigsten Fähigkeiten, die man haben sollte.

Volker Dusch – was einen guten Team Lead auszeichnetVolker Dusch

Technische Fähigkeiten/Kompetenzen kommen da gar nicht vor …

Ja, es kommt natürlich ein bisschen auf das Unternehmen an, wie man das strukturiert. Bei ResearchGate ist die Rolle geteilt, es gibt einen Product und einen Technical Lead, die sich die Führungsverantwortung teilen. Das macht vieles leichter, man hat immer zwei Personen, die ein Gespräch führen, Fragen beantworten oder weiterhelfen können. Auch wenn es darum geht, Probleme zu erkennen und anzusprechen, ist es sehr hilfreich, wenn man sie vorher mit jemand anderem im Team durchsprechen kann.

Ich sollte noch erwähnen, dass bei uns im Unternehmen drei Programmiersprachen im Haupteinsatz sind: Java, PHP und JavaScript. In jedem Team gibt es ein oder zwei Senior-Leute, denen man in Sachen Technologiestack vertraut. In der Leadership-Rolle geht es vor allem darum, dass man das Richtige baut und nicht, wie man es richtig baut.

In vielen Unternehmen geht es ja mehr und mehr in Richtung eigenverantwortliche Teams. Braucht es da überhaupt noch Team Leads?

Ich habe keine direkte Arbeitserfahrung in komplett eigenverantwortlichen Teams. Von den Diskussionen, die ich mitbekommen habe, scheint sich meistens eine Person herauszukristallisieren, die mehr von der Außenkommunikation und Synchronisation übernimmt, einfach weil es am besten für das Team ist. Ob man das als Titel formalisiert oder nicht, ist in einem guten Team, glaube ich, erst einmal zweitrangig; entscheidender ist, dass das allen klar ist, dass diese Aufgaben wichtig sind.

Stichwort Teamkonflikte …

Ich muss sagen, ich hatte bislang unheimlich viel Glück. Was mir gerade in der technischen Leitungsrolle geholfen hat, war, dass da stets ein großer Grundrespekt für die Kollegen vorhanden war. Auch war das Commitment bei den Kollegen, was wir als Unternehmen erreichen wollen, sehr hoch. Das macht viele Sachen einfacher. Da muss man sich nicht über Kleinigkeiten streiten, sondern “Wir wollen alle in die gleiche Richtung. Ich vertraue dir, dass du das Beste willst, ich will das Beste.” Das heißt, niemand muss die Motive der anderen Leute hinterfragen, sondern wir können uns auf das eigentliche Problem konzentrieren.

Es gibt natürlich trotzdem auch soziale Konflikte oder Leute, die nicht miteinander klarkommen oder nicht so kommunizieren, wie man kommunizieren sollte.

Das eine ist, ich führe mit jedem Teammitglied ein 1:1-Gespräch. Falls da Sachen aufpoppen, reden wir in Ruhe darüber und finden eine Lösung.

Eine andere Kategorie wäre, wenn jemand im Stand-up einen Witz macht, den man nicht okay findet. Oder wenn sich zwei Leute in einer Art und Weise unterhalten, die nicht konstruktiv ist. Das sollte man sowohl im Einzelgespräch thematisieren, damit klar ist, dass das nicht okay war und das Verhalten nicht normalisiert wird.

Natürlich kannst du auch alles explodieren lassen und bist in sechs Monaten damit beschäftigt, die Trümmer zu beseitigen oder neue Leute zu finden.

In deinem Vortrag hast du auch das Thema Feedbackgespräche erwähnt. Du machst das monatlich. Da denken vermutlich einige: Dafür habe ich gar nicht die Zeit. Was sagst du dazu?

Natürlich kannst du auch alles explodieren lassen und bist in sechs Monaten damit beschäftigt, die Trümmer zu beseitigen oder neue Leute zu finden – überspitzt formuliert.

Die Sache ist: Wie viele hat man denn normalerweise im Team? Wenn es zehn Leute sind, was schon sehr viel ist, dann sind das vielleicht zehn Stunden im Monat. Das ist ein etwas längerer Tag, maximal zwei von den ca. 20 Tagen. Meist dauert es aber nicht so lange. Ich buche mir da immer einen Meetingraum und falls man schon nach 20 Minuten fertig ist, hat man immer noch 40 Minuten und kann ungestört nachdenken bzw. arbeiten.

Das ist alles besser als unzufriedene Mitarbeiter. Für mich ist diese Zeit gut investiert, ich lerne natürlich auch in den Gesprächen viel.

Was würdest du heute rückblickend anders machen bzw. worauf sollten Newbies achten?

Was man in der Führungsverantwortung anfangs falsch machen wird und ich rückblickend anfangs hätte besser machen können, ist, Leute zu entlassen. Darauf sollte man sich unbedingt vorbereiten – und vorbereitet sein. Hier kann man erstens für das Unternehmen und zweitens bei sich selbst den meisten Schaden anrichten. Und natürlich auch bei den anderen Teammitgliedern bzw. bei der Person, die gekündigt wird. Das hätte ich gerne von Anfang an richtig bzw. besser gemacht.

Ein Kernsatz dazu lautet: In dem Moment, in dem du in einem Meetingraum mit jemandem sitzt, der das Unternehmen verlassen wird, musst du die eigenen Gefühle zurückstellen. Nicht sagen: “Ich konnte so schlecht schlafen” und lädtst so deine eigenen Gefühle auch noch auf das Gegenüber auf. Es geht in dem Moment nur um das Gegenüber – und man sollte das Gespräch professionell über die Bühne kriegen.

Vielen Dank für das Interview.

Volker geht in seinen Folien auf zahlreiche weitere Themen ein, unter anderem warum Excel-Kenntnisse als Team-Lead nützlich sind oder wie man sich selbst als Team Lead weiterentwickelt inkl. Tipps für Online Trainings.

Developer Camp 2018

Am 09./10. März findet das nächste Developer Camp statt. Dieses Mal sind wir wieder in Würzburg. Weitere Infos und Tickets findest Du hier.


Jason Wong